Ida, 93

Zeitungen las ich von hinten nach vorne. Zuerst Sterbeanzeigen, zum Schluss Politik.

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Ida, 93

Zeitungen las ich von hinten nach vorne. Zuerst Sterbeanzeigen, zum Schluss Politik.

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Als 13jährige hütete ich jeden Tag die Kinder einer Arztfamilie. Während der Schlafenszeit der Kinder, nahm ich mir aus deren Bücherregal Grimms Märchen und vertiefte mich in diese schönen und spannenden Geschichten.

Die Liebe zum Lesen, sagte meine Mutter, habe ich vom Großvater geerbt. Sie sagte immer, er habe jeden „Fetzen“ gelesen. Später las ich mit Leidenschaft historische Geschichten und Romane, wie zum Beispiel „Das Königreich von Frankreich“. Immer wenn die Arbeit getan war, las ich, wenn es spannend war bis in die Nacht hinein.

Auch unsere regionale Zeitung, das „Solinger Tageblatt“ interessierte mich immer sehr. So konnte ich am Tagesgeschehen teilhaben. Die Zeitung las ich von hinten nach vorne. Zuerst den Teil mit den Sterbeanzeigen, zum Schluss das Politische.

Bis zu meinem 81. Lebensjahr war das Lesen von Büchern und Zeitungen eine meiner Lieblingsbeschäftigungen. Mein Augenlicht wurde nach und nach schlechter und heute mit 93 Jahren kann ich leider nicht mehr sehen.

Jetzt hole ich mir die Informationen aus dem Radio, höre gerne Musik und erfreue mich daran.